Acht Brücken 2014: Klassik-Kracher für junge Menschen

Acht Brücken, Eröffnung 2014: Junge Diseusen in raum13

Acht Brücken, Eröffnung 2014: Junge Diseusen in raum13

Es blitzte, strahlte, stampfte, pfiff – und füllte den Saal mit Kaskaden aus purem Klang, herrlich differenziert und abwechslungsreich: „Short Ride in a Fast Machine“ gehörte zu den absoluten Highlights in den ersten Tagen des Acht Brücken Festivals 2014. In so hinreißender Spiellaune wie bei der neuklassischen Vertonung einer besessen-rasenden Sportwagenfahrt ist das WDR Sinfonieorchester Köln selten zu hören.

Ein lustvolles Musikerlebnis dank großartig aufgelegter Instrumentalisten, begeisternd geführt von Dirigent Jonathan Stockhammer – mit dem einzigen Nachteil, dass der Fünfminüter des US-Amerikaners John Adams als Eröffnungsstück des Abends höchste Maßstäbe für den Rest des Programms setzte.

So wirkten die folgenden Werke von Bernhard Gander, Hans Abrahamsen und Steve Reich luzide im Klang und spieltechnisch überaus gelungen – doch im Vergleich zu „Short Ride in a Fast Machine“ mitunter allzu kühl und akademisch realisiert.

Kalina Kolorova vom E-MEX-Ensemble

Kalina Kolorova vom E-MEX-Ensemble

Zurück zur Spielfreude des Beginns führten die „Vier Stücke für Solodrummer und Orchester“. Nicht nur an den fröhlichen Mienen der fünf Schlagwerker und Percussionisten sowie vom glänzend aufgelegten Drummer Dirk Rothbrust war deutlich zu sehen, wie wohl sich das Orchester bei diesem Konzertteil fühlte. Vor allem im rhythmisch treibenden vierten Teil der neu konzipierten Suite aus Einzelkompositionen von Frank Zappa riss das Ensemble den Saal spürbar mit. Den Abschluss des rundum gelungenen Abends bildete die nuancenreich dargebotene „San Francisco Polyphony“ von Györgi Ligeti. Nach den „Krachern“ von Adams und Zappa wirkte dieser Klassiker der Moderne ein wenig wie das sanft-romantische Schluss-Stück eines Rockkonzerts – allzu aufgewühlt soll der Zuhörer den Heimweg nun doch nicht antreten.

Erfreulich an diesem Abend am 4. Mai in der Kölner Philharmonie, wie schon in den vorangegangenen Konzerten der 2014er Auflage von Acht Brücken, war auch die Altersstruktur des Publikums. Im vierten Jahr des Ausnahmefestivals für Neue Musik finden nun endlich auch viele jüngere Menschen den Weg in die überwiegend hochkarätigen Konzerte. Es mag am diesjährigen Schwerpunkt elektronische Musik liegen, der glücklicherweise weniger blaustrümpfig und museal daherkommt als zum Beispiel die „John-Cage-Gedächtnistage“ vor zwei Jahren.

hand werk im Dock one

hand werk im Dock one

Schon die Eröffnungsnacht in den Köln-Deutzer Aufführungsorten „raum 13“ und „Dock one“ war von beglückender Frische. Im Gedächtnis bleiben vor allem die drei jungen Diseusen auf den Schaukeln im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste, wie auch die wunderbare Violinistin Kalina Kolorova vom E-MEX-Ensemble (bei der Uraufführung von Christoph Maria Wagners „Audiodrome“ im „Dock one“) oder die insgesamt aufregend-komplexe Darbietung des hochkarätigen Kölner Kammermusikensembles hand werk. Witzig und orginell auch die tanzbare Elektronik des finnischen Producers und DJs Jori Hulkkonen und seiner stoischen „Band“ – ein Rätsel nur, warum der Konzertsaal am 3. Mai im „Stadtgarten“ kaum halb gefüllt war.

Acid Symphony Orchestra im Stadtgarten

Acid Symphony Orchestra im Stadtgarten

gamut inc im raum 13

gamut inc im raum 13