Monatsarchiv für Mai 2014

 
 

Die zweite Woche Acht Brücken: Trommeln, bis das Fell reißt

Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe

Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe

„In der Natur bist Du ein scheiß Tier“, sang Heike Aumüller, „ich will zurück zum Beton! Da ist der Mensch noch Mensch. Hoch lebe der Beton – ich will nur in Beton tanzen!“ Großstadtromantik, verpackt in melancholische Klagen, war das beherrschende Thema des Abends mit Kammerflimmer Kollektief. Frontfrau Aumüller verbarg ihr Gesicht meist hinter einem Vorhang rückenlang wallender Haare oder bot Texte und Musik (Harmonium) im Stil von Miles Davis auch gern vom Publikum gänzlich abgewandt dar. Thomas Weber (Gitarre und elektronische Effekte) und Johannes Frisch (Kontrabass) wirkten ebenfalls ziemlich ernst. Jedoch lieferte das Karlsruher Trio auch so einen ungeheuer intensiven, packenden Set, der mitunter sogar überaus unterhaltsam daherkam – mit vielen Referenzen, vom swingenden Jazz bis zum düsteren Noise. Der industriell ästhetisierte raum13 im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste war ein perfekter Spielort für das gelungene Konzert.



Acht Brücken 2014: Klassik-Kracher für junge Menschen

Acht Brücken, Eröffnung 2014: Junge Diseusen in raum13

Acht Brücken, Eröffnung 2014: Junge Diseusen in raum13

Es blitzte, strahlte, stampfte, pfiff – und füllte den Saal mit Kaskaden aus purem Klang, herrlich differenziert und abwechslungsreich: „Short Ride in a Fast Machine“ gehörte zu den absoluten Highlights in den ersten Tagen des Acht Brücken Festivals 2014. In so hinreißender Spiellaune wie bei der neuklassischen Vertonung einer besessen-rasenden Sportwagenfahrt ist das WDR Sinfonieorchester Köln selten zu hören.

Ein lustvolles Musikerlebnis dank großartig aufgelegter Instrumentalisten, begeisternd geführt von Dirigent Jonathan Stockhammer – mit dem einzigen Nachteil, dass der Fünfminüter des US-Amerikaners John Adams als Eröffnungsstück des Abends höchste Maßstäbe für den Rest des Programms setzte.

So wirkten die folgenden Werke von Bernhard Gander, Hans Abrahamsen und Steve Reich luzide im Klang und spieltechnisch überaus gelungen – doch im Vergleich zu „Short Ride in a Fast Machine“ mitunter allzu kühl und akademisch realisiert.