Die zweite Woche Acht Brücken: Trommeln, bis das Fell reißt

Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe

Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe

„In der Natur bist Du ein scheiß Tier“, sang Heike Aumüller, „ich will zurück zum Beton! Da ist der Mensch noch Mensch. Hoch lebe der Beton – ich will nur in Beton tanzen!“ Großstadtromantik, verpackt in melancholische Klagen, war das beherrschende Thema des Abends mit Kammerflimmer Kollektief. Frontfrau Aumüller verbarg ihr Gesicht meist hinter einem Vorhang rückenlang wallender Haare oder bot Texte und Musik (Harmonium) im Stil von Miles Davis auch gern vom Publikum gänzlich abgewandt dar. Thomas Weber (Gitarre und elektronische Effekte) und Johannes Frisch (Kontrabass) wirkten ebenfalls ziemlich ernst. Jedoch lieferte das Karlsruher Trio auch so einen ungeheuer intensiven, packenden Set, der mitunter sogar überaus unterhaltsam daherkam – mit vielen Referenzen, vom swingenden Jazz bis zum düsteren Noise. Der industriell ästhetisierte raum13 im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste war ein perfekter Spielort für das gelungene Konzert.

Acht Brücken 2014: Klassik-Kracher für junge Menschen

Acht Brücken, Eröffnung 2014: Junge Diseusen in raum13

Acht Brücken, Eröffnung 2014: Junge Diseusen in raum13

Es blitzte, strahlte, stampfte, pfiff – und füllte den Saal mit Kaskaden aus purem Klang, herrlich differenziert und abwechslungsreich: „Short Ride in a Fast Machine“ gehörte zu den absoluten Highlights in den ersten Tagen des Acht Brücken Festivals 2014. In so hinreißender Spiellaune wie bei der neuklassischen Vertonung einer besessen-rasenden Sportwagenfahrt ist das WDR Sinfonieorchester Köln selten zu hören.

Ein lustvolles Musikerlebnis dank großartig aufgelegter Instrumentalisten, begeisternd geführt von Dirigent Jonathan Stockhammer – mit dem einzigen Nachteil, dass der Fünfminüter des US-Amerikaners John Adams als Eröffnungsstück des Abends höchste Maßstäbe für den Rest des Programms setzte.

So wirkten die folgenden Werke von Bernhard Gander, Hans Abrahamsen und Steve Reich luzide im Klang und spieltechnisch überaus gelungen – doch im Vergleich zu „Short Ride in a Fast Machine“ mitunter allzu kühl und akademisch realisiert.

Countdown für “Am Pilz der Zeit”

TV Moderator Ralph Caspers ("Die Sendung mit der Maus", "Wissen macht Ah!") mit Elena Tzavara, Leiterin der Kinderoper Köln

TV Moderator Ralph Caspers ("Die Sendung mit der Maus", "Wissen macht Ah!") mit Elena Tzavara, Leiterin der Kinderoper Köln

Kommenden Sonntag, 28.10., ist es endlich soweit: Um 11.00 Uhr startet in der Kinderoper Köln (Leitung: Elena Tzavara) die neue Vorlese-Reihe “Am Pilz der Zeit”. Zum Start liest Anke Engelke aus “Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer”. Dann folgen Lesungen mit Ralph Caspers, Katty Salié u.v.a. Die Kooperation der Kinderoper mit dem Jungen Literatur Köln und der Kölner Gruppe IG Vorlesen e.V. läuft vorerst bis Juni 2013. Hier gehts zu mehr Infos und zum Interview mit Ralph Caspers über Am Pilz der Zeit.

Vernissage mit Blues-Jam

Papa Malick Diouf, Aziz Kuyateh und Hüllenberg (von links) in der Galerie "Robert Mayer Zeigt"

Papa Malick Diouf, Aziz Kuyateh und Hüllenberg (von links) in der Galerie "Robert Mayer Zeigt"

Mit zahlreichen Gästen wurde am 15. Juni in der Frankfurter Galerie „Robert Mayer Zeigt“ die Fotoausstellung „Bacharach – Bamako usf.“ eröffnet. Höhepunkt war der Auftritt der Musiker Papa Malick Diouf (Senegal, Trommel), Aziz Kuyateh (Gambia, Kora) und Hüllenberg (Frankfurt am Main, E-Bass), die gemeinsam über westafrikanischen und US-amerikanischen Blues-Themen jammten. Den Katalog zur Ausstellung finden Sie online hier. Katalog Bacharach – Bamako usf.

RMZ2

RMZ2

RMZ3

RMZ3

RMZ4

RMZ4

RMZ5

RMZ5

RMZ6

RMZ6

185 Jahre Tourismus der Gefühle: „Bacharach – Bamako usf.“ in Frankfurt am Main

Kuhhirte in Nordkamerun, 2011

Kuhhirte in Nordkamerun, 2011

Das erste Ziel des modernen Massentourismus war der „Romantische Rhein“. Vorbereitet durch beschwerliche Reisen weniger Maler und Dichter, begann seine Erfolgsgeschichte als Ferienregion im Frühjahr 1827 – mit der Eröffnung der ersten Dampfschifffahrtslinie von Köln nach Mainz. Im selben Jahr erschien die passende sentimentale Lektüre: das „Buch der Lieder“ (mit dem berühmten Loreley-Gedicht) von Heinrich Heine. Kurz darauf publizierte Baedeker ein „Handbuch für Schnellreisende“ auf dem Rhein: als Bildungsstütze, aber auch praktische Hilfe, zum Beispiel bei der Suche nach einem weinseligen Gasthof.

Ist der Rhein noch romantisch  – oder eher Afrika?

Wer heute ungewöhnliche Eindrücke jenseits des Alltags sucht, reist vergleichsweise behütet durch Afrika, Asien oder die Weiten der Landschaften Amerikas. Zur peniblen Vorbereitung und Begleitung stehen riesige Bibliotheken an Reiseliteratur zur Verfügung, ergänzt durch die zahlreichen Fakten-Quellen des Internets und den global-digitalen Meinungsaustausch. Es stellt sich die Frage: Wie romantisch kann das weitgehend planbare Fernreisen der Gegenwart sein? Und umgekehrt: Ist vielleicht die heimatliche Region, wo alles begann, erneut geeignet, unsere Phantasie zu beflügeln? Was ist übrig geblieben von der Welt, die Wordsworth, Turner, Brentano und folgende Künstlergenerationen so nachhaltig inspirierte?

Ausstellung eröffnet am 15. Juni 2012

Acht Brücken (4): Gelungen aber leider wenig bekannt

Sein letztes öffentliches Training in Köln: Lukas Podolski (2. v. r.) am 2. Mai beim FC

Sein letztes öffentliches Training in Köln: Lukas Podolski (2. v. r.) am 2. Mai beim FC

6. Mai, 13.00 Uhr – 23.30 Uhr. Am Tag nach dem Abstieg des 1. FC Köln aus Liga 1 – und dem letzten Spiel von Lukas Podolski beim FC – schlägt das Wetter nicht nur den Fußballfans aufs Gemüt.

"Postcard from Heaven"

"Postcard from Heaven"

Es regnet aus einem bleigrauen Himmel auf die Stadt, in der es mit 12 Grad Celsius auch viel zu kalt ist für einen Sonntag im Mai. Typisches “Museumswetter” also, nicht ungelegen für den eintrittsfreien „Tag rund um John Cage“ in der  Philharmonie. Es gibt Musik im großen Saal und in allen Nischen und Ecken des Baus: ein letzter Höhepunkt des heute endenden, gelungenen Acht Brücken Festivals 2012.

Zuhörer bei "Postcard from Heaven"

Zuhörer bei "Postcard from Heaven"

Bis ins angrenzende Museum Ludwig hat sich das Festival an diesem Tag ausgedehnt. Die zahlreich erschienenen Besucher drängeln sich sogar auf den Treppen, um beispielsweise das meditative „Postcard from Heaven“ intensiv zu erleben, das vom ensemble 20/21 mit neun Harfen aufgeführt wird (Leitung: David Smeyers).

Top: Neue Musik mit aktuellem Bezug

Acht Brücken (3): Jazz für die Jugend und wirklich junge Neue Musik

ensemble 20/21 mit David Smeyers (links)

ensemble 20/21 mit David Smeyers (links)

3. Mai, 12.30 Uhr. „Acht Brücken Lunch“ im Filmforum. Es werden Kurzfilme von und mit der Tänzerin Yvonne Rainer gezeigt, einer Avantgardegröße der 60er und 70er Jahre. Rund 120 Zuschauer sind da: etwa drei Viertel davon Frauen über 50. Das Licht geht aus und unvermittelt startet das Programm. Ein Erlebnis wie im Kunstkino vor 20 Jahren: die Projektionsfläche gefühlt gerade mal doppelt so groß wie der heute durchschnittliche Wohnzimmer-Flachbildschirm, alle gezeigten Werke in grobkörnigem Schwarzweiß und ohne Ton.

Rechte Hand von Yvonne Rainer

Rechte Hand von Yvonne Rainer

Film 1 stammt von 1978 und ist noch vergleichsweise konventionell – das kommentarlose Dokument einer Solo-Choreographie. Im ersten Teil sieht man Ganzkörperaufnahmen, im zweiten (Textankündigung: „Details“) einzelne Körperteile der Künstlerin.

Ton von Klappstühlen und einem Rollator

Nach dem Ende dieser Doku verlässt im Dunkeln etwa ein Drittel des Publikums den Saal. So wird der Beginn des zweiten Films – gezeigt werden die Finger einer Hand in Bewegung – vom Geräusch hochschnellender Klappstuhlsitzflächen und dem Schaben der Vollgummireifen eines Rollators begleitet. Man darf das wohl als Zufallseffekt im Sinne John Cages begreifen. Film 3, 1966 produziert, handelt von einem Basketball, der aus unterschiedlichen Startpositionen gegen zwei Füße rollt. In der letzten Dokumentation bewegen sich Yvonne Rainer und ein männlicher Darsteller/ Tänzer durch eine Art Wohnzimmer und werfen sich dabei aus unterschiedlichen Positionen einen großen Ball zu. Beide Personen sind dabei splitternackt.

Acht Brücken (2): Carmen schießt als Freischütz

"Europera 3" 1

"Europera 3" 1

Festivaltag 4: Die Jagd nach der jungen Zielgruppe wird fortgesetzt.

Charles-Ives-Lieder im Alten Wartesaal

Charles-Ives-Lieder im Alten Wartesaal

2. Mai, 12.30 Uhr. Besuch bei der täglichen Reihe „Acht Brücken Lunch“ im Alten Wartesaal. Alle Konzerte der Reihe sind nicht nur umsonst, man kriegt sogar noch ein Goodie obendrauf. Wer seine Mittagspause für Cage & Co. opfert, wird beim Rausgehen mit einem Käsebrötchen plus Tetrapack Fruchsaft bedacht. Alles ist in einem schicken, schwarzen Umhängetäschchen keimfrei untergebracht, damit  sich der Kulturhungrige beim Sprint zurück zum Bergwerk auch noch physisch sättigen kann – der großzügigen Sparkasse KölnBonn sei Dank. Man muss zugeben, dass dieses Konzept aufgeht: Rund 120 Besucher füllen heute den Saal, und ein paar junge sind tatsächlich auch mit dabei.

Entstaubt und frühlingsfrisch

Auf der Bühne noch mehr Menschen unter 30: Musikerinnen und Musiker der stets für Qualität bürgenden Hochschule für Musik und Tanz Köln. Sie geben rund 40 Minuten lang Lieder des US-amerikanischen Komponisten Charles Ives (1874 – 1954): Entstaubt, schwungvoll und frühlingsfrisch klingt der Vortrag (Leitung: Sebastian Gottschick), gerade modern genug für „Acht Brücken“, aber doch nicht zu anstrengend für die mittägliche Zeit.  Absolut gelungen!

Quälende Qualität

Acht Brücken: Allein unter Rentnern?

"In a large, open space" 1

"In a large, open space" 1

Stell Dir vor, es ist Top-Qualität  – und die junge Zielgruppe bleibt weg! Oder ist John Cage heute uncool? Sind Neue Musik und die Avantgarde des 20. Jahrhunderts nur noch was für Rentner? Seit dem 29.4. und noch bis zum 6.5.2012 findet in Köln das großartig zusammengestellte, innovative Festival „Acht Brücken. Musik für Köln“ statt. Leider ohne die Masse der Kölner Studenten und jüngeren Musikinteressierten, wie es aussieht, obwohl viele Konzerte umsonst sind und Spitzendarbietungen für äußerst moderate Preise angeboten werden. Gedanken über die Gründe und persönliche Eindrücke von einem streng subjektiven „Acht Brücken“-Rundgang, ausgestattet mit dem Festival-Pass, der für nur 80 Euro (reduziert 35 Euro) Zugang zu sämtlichen 40 Konzerten gewährt.

Barfuß unter rotem Samtkleid

30. April, 20.00 Uhr. Vor der Philharmonie weht Chart-Musik aus der gegenüber liegenden Bar „juicy dreams“ durch die Straßen. (Köln freut sich auf die laue Nacht zum 1. Mai). In der Philharmonie spielt das Mahler Chamber Orchestra, annonciert als eines der besten Orchester der Welt – für lumpige 25 Euro auf allen Plätzen. Der Saal ist trotzdem nur zu gut zwei Dritteln gefüllt.

„Die Oper Köln ist ein todkranker Patient!“

Zum Duell nicht erschienen: Intendant Uwe Eric Laufenberg (rechts) wartete umsonst auf die Kulturmanager Georg Quander und Patrick Wasserbauer (links im Bild Operndirektorin Dr. Meyer und Betriebsdirektor Werner)

Zum Duell nicht erschienen: Intendant Uwe Eric Laufenberg (rechts) wartete umsonst auf die Kulturmanager Georg Quander und Patrick Wasserbauer (links im Bild Operndirektorin Dr. Birgit Meyer und Betriebsdirektor Tobias Werner).

Eigentlich sollte der neue Spielplan 2012/2013 der Oper Köln präsentiert werden. Querelen über die städtischen Zuschüsse zum Opern-Budget – Intendant Uwe Eric Laufenberg hält eine Etaterhöhung um fünf Millionen Euro für notwendig, die Stadt will nur zusätzliche zwei Millionen freigeben – bewirkten statt dessen einen Eklat. So blieben Patrick Wasserbauer, Geschäftsführender Direktor der Bühnen Köln und Kulturdezernent Georg Quander der Pressekonferenz am Mittag des 24. April fern. Stattdessen hatte Quander den Opernintendanten unmittelbar vor PK-Beginn per Brief (!) angewiesen, nur tatsächlich vom freigegebenen Etat gedeckte Inszenierungen zu präsentieren. Dazu sah sich wiederum Laufenberg nicht in der Lage – bis auf ganze sechs Aufführungen von Verdis „La forza del destino“ ab kommenden September, die einzigen, die nach Meinung des Opernmachers bisher finanziell abgesichert sind. Damit muss der Vorverkauf für die kommende Spielzeit erst einmal aufgeschoben werden.

Programmheft für die Tonne? Intendant Laufenberg weiß nicht, ob die geplanten Aufführungen realisiert werden können

Programmheft für die Tonne? Intendant Laufenberg weiß nicht, ob die geplanten Aufführungen realisiert werden können.

Abschied des Intendanten wahrscheinlich